Follow us

Twitter

News

:: Interview: Die Windsurf-Familie Poggemann!



Hallo Thomas,
du bist mittlerweile das Oberhaupt einer ganzen Windsurfer-Familie.

Wie viele Windsurfer hast du mittlerweile in deiner Familie?
"Wir sind jetzt zu 6. Meine Frau, zwei Töchter (Julia und Nina), unsere Söhne (Tim und Lars) und ich. Drei Regattasurfer und drei Freizeitsurfer."

Wie alt sind deine Kids?
"
Julia ist 22, Tim ist 21, Nina ist 17 und Lars, unser Jüngster ist jetzt 14 Jahre alt."

Warst du der erste Windsurfer und hast es an deine Kinder weitergetragen? Wann hast du angefangen? Welches Material seid ihr damals gefahren?
"Ich komme eigentlich aus dem Radrennsport. Meine  Frau war die erste Windsurferin in unserer Familie und hat es mir im Jahr 1987 auf einem alten Klepper beigebracht. Nach einer halbjährigen Übungsphase habe ich mir dann irgendwann mein erstes eigenes Material gekauft, ein 305er Aquata, schon damals mit 3 Finnen."
Was hat sich seit damals alles verändert?
"Früher war irgendwie viel mehr Wind!  Das Material entwickelt sich natürlich ständig weiter und wird vielfältiger. Meiner Meinung nach musste man früher allerdings noch wesentlich mehr arbeiten, heute ist das Material so ausgereift, dass es für jeden einfacher zu Handeln ist. Der Surfer-Spirit ist jedoch immer noch wie früher."

Tim gehört mittlerweile zu den Top-10 der besten deutschen Windsurfer. Sind Nina und Lars auch schon Teil der Regattaszene?
"Lars ist im Bereich BIC Techno 293 OD aktiv. Er ist mittlerweile im Landeskader und bereits Vize-Meister U-15, Bayerischer Jugendmeister und nimmt an den Europameisterschaften und Weltmeisterschaften teil. BIC Techno 293 OD hat eine extrem große Jugendszene. Bei der WM in Brest (Frankreich) waren 400 Starter aus 28 verschiedenen Ländern.


Nina ist nicht ganz so früh eingestiegen wie Lars. Aber wie alle unsere Kids hat sie in der BIC Techno Klasse angefangen. Im letzten Jahr hatte Nina jetzt ihr Slalom-Debüt bei der Slalom Europameisterschaft in Bol (Kroatien). Hier erreichte sie den 4. Platz im Frauen-Feld."

Ist es ein Vorteil vorher BIC Techno 293 OD oder RS:X gefahren zu sein?
"BIC Techno ist die größte und stärkste Regattaklasse weltweit. Wie bereits erwähnt starten bei einer Jungendmeisterschaft bis zu 400 Starter. Außerdem ist das Niveau in dieser Klasse extrem hoch und man bekommt eine umfassende Ausbildung. Die Jugendlichen, die von BIC Techno 293 OD zu RS:X wechseln, platzieren sich meistens direkt auf den ersten Plätzen. Meiner Meinung nach ist RS:X als Jugendbrett zu sehr spezialisiert. Wenn man mit BIC Techno 293 OD beginnt ist es kein Problem später zu RS:X zu wechseln oder an Slalom Regatten teilzunehmen."

Was fasziniert euch so an dem Sport?
"Windsurfen ist mit keiner anderen Sportart vergleichbar. Strand, Wind, Wasser und das Gefühl einfach schwerelos Richtung Horizont zu gleiten ist unbeschreiblich. Man hat sofort dieses Euphorie Erlebnis, was man bei anderen Sportarten meistens erst später erlebt. Wenn es einen einmal gepackt hat, kann man einfach nicht mehr aufhören. Es macht einfach glücklich."


Andere Väter verbringen die Wochenenden auf dem Fußballplatz, wo treibt ihr euch in eurer Freizeit am liebsten rum?
"Wir warten am Strand auf Wind. ;-) Im Sommer sind wir eigentlich ständig gemeinsam Windsurfen oder Radfahren, im Winter schnappen wir uns meistens unsere Ski."

Wo verbringt ihr euren Urlaub?
"Früher sind wir immer zweimal im Jahr an den Gargano gefahren. Heute besteht unser Urlaub aus Trainingslagern und Windsurfregatten. Über Ostern verbringen wir unseren Familienurlaub zum Beispiel im Trainingslager in Frankreich.  Wenn es passt gönnen sich meine Frau und ich aber auch noch einmal 1-2 Wochen Urlaub auf den Kapverden, um mal wieder selber Windsurfen zu gehen."

Wie kriegt ihr die Schule, den Beruf, das Familienleben und das Windsurfen unter einen Hut?
"Wenn alle mitziehen, ist eigentlich alles kein Problem. Problematisch wird es nur, wenn jemand aus der Reihe tanzt – man muss einfach ein perfektes Familienmanagement haben und das klappt bei uns eigentlich ganz gut!

Mit der Schule oder dem Studium gibt es keine Probleme. Ich
finde der Sport fördert die Kinder sogar. Durch das Windsurfen lernen die Kinder sich Ziele zu setzen und sich auf etwas zu fokussieren. Das überträgt sich dann auch auf die Schule. Alle Kinder wissen genau, welche Leistungen sie in der Schule erbringen müssen, um sich den Sport auch weiterhin finanzieren zu können. Außerdem ist der internationale Aspekt und das Miteinander bei Regatten einmalig. Man lernt extrem viele Menschen aus anderen Kulturen kennen und somit natürlich auch andere Sprachen.

Der schwierigste Aspekt beim Windsurfen ist der Finanzielle. Tim wird seit mehreren Jahren durch Patrik Diethelm und Gun Sails unterstützt, so dass wir uns um das Material keine Sorgen machen müssen. Mit weiteren Sponsoren, speziell für einzelne Sportler ist es leider nicht so einfach. Auch im BIC Techno Bereich gibt es keine weiteren Sponsoren. Hier leben die Teilnehmer von Fördervereinen, die ½ oder 2/3 des Materials stellen. Für die Reisekosten muss jedoch jeder selber aufkommen.

Meine Frau und ich haben jetzt einen neuen Wassersportverein gegründet, der auch bereits dem DSV
angeschlossen ist, um neue Fördermöglichkeiten zu generieren oder zum Beispiel durch Spenden Zuschüsse vergeben zu können."
 
Sollen alle Kids mal Windsurfprofis werden? Oder steht eine Ausbildung/Studium im Vordergrund?
"Alle unsere Kinder legen Wert auf ihre Ausbildung. Der Profisport ist einfach nicht mehr das, war er früher mal war und bietet keine langfristige Perspektive. Tim studiert Geografie und wird nächsten Jahr seinen Bachelor machen. Nina macht eine Ausbildung zur Ergotherapeutin und Lars steuert aufs Abitur zu. Auf Tims Plan steht jedoch noch eine kleine Studienpause zwischen dem Bachelor und dem Master. Hier hat er schon Brasilien als Ziel ins Auge gefasst."

Wie sieht eure Regattaplanung 2015 aus?

"Tim wird jetzt für einen Monat nach Chile reisen und dort vorrangig Waveriding trainieren. Die erste Regatta wird dann der Cup in Hyeres (Frankreich) sein. Da Tim nebenbei noch als Trainer für den Bayerischen Seglerverband arbeitet, kann er nicht an allen Regatten teilnehmen, wird aber natürlich bei so vielen GWA Windsurf Cups, wie möglich dabei sein.

Nina wird ebenfalls in Hyeres im Slalom an den Start gehen. Außerdem wird sie erstmalig beim GWA Windsurf Cup Norderney dabei sein. Ansonsten konzentriert sie sich in der Saison 2015 auf die Regatten in Österreich
und Norditalien.

Lars fährt weiter im BIC Techno 293 OD Kader. Das große Ziel ist hier die diesjährige Europameisterschaft in Lettland. In diesem Jahr will aber auch er erstmalig beim GWA Windsurf Cup in Schönberg starten."

Vielen Dank für das nette Interview. Wir wünschen euch allen alles Gute und freuen uns, bald die gesamte Familie Poggemann auf den Events zu begrüßen!